Keine Angst vor dicken Brummern

Eine der traditionellen Fortbildungsveranstaltungen des BZV Bechen und dem NABU Oberberg, Arbeitskreis Hornissenschutz auf dem Weg zurück in die Normalität

Am vergangenen Samstag war es endlich soweit. Das Hygienekonzept stand, das Ordnungsamt Wipperfürth hatte sein OK gegeben, so dass Angelika Leistikov (Bienenzuchtverein Bechen/Nabu Oberberg) knapp 60 interessierte TeilnehmerInnen in Wipperfeld zur Fortbildung zur fachgerechten Beratung und Umsiedelung bei Problemen mit Hornissen- und anderen Wespenvölkern begrüßen konnte.

Die bunte Mischung der Autokennzeichen auf dem Parkplatz zeigte bereits, dass die Teilnehmenden aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Ausland angereist waren und den verschiedensten Berufs- und Interessengruppen (Feuerwehrleute, Schädlingsbekämpfer, Ehrenamtler aus dem Naturschutz usw.) angehörten. Übrigens sind sehr viele TeilnehmerInnen auch Imker!

In sehr kurzweiliger Art und Weise erklärte die erste Referentin Dr. Pia Aumeier, Biologin und Imkerin aus Bochum, dass die Angst vor den dicken Brummern aus der Unwissenheit und den Missverständnissen über die Wespen und Hornissen entsteht. Daher ging es ihr darum, durch die Themen „Fakten zum Nutzen“, „Lebenszyklus“, „Artbestimmung“ und „Beratung und Maßnahmen“ die TeilnehmerInnen in die Lage zu versetzen, die hilfesuchenden Menschen davon zu überzeugen, die Nester im besten Fall an ihrem Platz zu lassen.

Der Unterschied zwischen Freinistern/Hellnistern, die uns Menschen nie lästig werden und den Dunkelhöhlennistern, die schon eher mal vom Grillfleisch auf dem Gartentisch naschen wollen, wurde in der Präsentation von Frau Dr. Aumeier erläutert. Die Funktion von Wespen als „Ökopolizei“ überraschte manchen Zuhörer. Die Entsorgung von Kadavern aus der Natur – und leider manchmal auch von unseren Tischen – war noch vielen geläufig. Dass aber manche Solitärwespen ihre Eier z.B. in Larven von Borkenkäfern legen und damit die Population der Käfer eindämmen können, war dann doch vielen bisher unbekannt.

Nachdem die Wissensbasis durch Dr. Aumeier gelegt war, konnten Angelika Leistikow in den Pausen ihr umfangreiches Wissen speziell zu Hummeln weitergeben.

Peter Tauchert (Feuerwehrmann und langjähriger Wespenschützer) gab aus seiner Praxis mit sehr anschaulichen Berichten den Teilnehmern viele praktische Tipps zur Beratung und notfalls zur Umsiedelung von Wespen und Hornissen mit auf den Weg. Dabei merkte man allen Dozenten an, dass sie mit ganz viel Herzblut und Wissen für das Wohl unserer einheimischen Wespenarten kämpfen und gemeinsam als eingespieltes Team diese Fortbildung gestaltet haben.

Einen kurzen Abstecher machte die Fortbildung auch zur asiatischen Hornisse Vespa Velutina, die speziell bei den europäischen Imkern Unbehagen auslöst. Zu dieser Art liegen noch keine gesicherten wissenschaftliche Daten vor. Die Studienlage dazu hat erst begonnen und erste Erkenntnisse zeigen, dass es Unterschiede im Beuteschema der Vespa Velutina gibt, abhängig von den Landstrichen Stadt oder Land, Wärme oder Kälte, Wasser oder Trockenheit. 

Die im Internet kursierenden Videos zeigen oft eine ganz andere Hornissenart, die Vespa Mandarinia, die tatsächlich Honigbienenvölker in Asien in kürzester Zeit umgebracht hat. Allerdings handelt es sich bei diesen Honigbienenvölkern um unsere europäische Biene, die aufgrund des deutlich höheren Honigertrags nach Asien importiert wurde. Diese sind im

Rahmen ihrer Evolution aber leider nicht in der Lage, adäquat auf die Angriffe der asiatischen Riesenhornisse zu reagieren. Für die östlichen Honigbienen dagegen ist diese Hornissenart kein ernsthafter Feind.

Geprägt durch die Pandemie verlief der praktische Teil der Fortbildung nach der Mittagspause mit den sorgfältig desinfizierten Binocularen (großen Mikroskopen). Die zu betrachtenden Präparate wurden von den HelferInnen des BZV Bechen jeweils an die Tische der TeilnehmerInnen gebracht, um die Menge der Kontakte und die Abstandsregeln der Teilnehmer untereinander bestmöglich einzuhalten. Selbstverständlich wurden die Binoculare nach jeder Nutzung gründlich desinfiziert.

So vollgepackt mit Informationen verging der Tag wie im Flug.

Bereits am 06.11.21 wird es erneut mit den gleichen Referenten am gleichen Ort dieses hochinteressante Seminar geben. Leider ist auch dieser Termin schon längst vollständig ausgebucht.

Wer dieses Seminar verpasst hat, kann sich schon jetzt für die Fortbildung im nächsten Jahr am 22.10.22 über die Homepage des BZV Bechen unter https://www.bienenzuchtverein-bechen.de/umsiedlung-von-hornissen-und-wespenvoelkern/ anmelden.